Oft genug wird unser Leben von den Routinen des Alltags bestimmt. Manchmal laufen wir wie die Hamster im Rad. Manchmal gehen wir unsere ausgetretenen Pfade tagaus tagein. Manchmal blitzt der Gedanke auf: Wie komme ich hier heraus? Was wäre, wenn ich Neues wagte? Das Einerlei des Alltags gehört zum Leben dazu. Schon die Umwelt Jesu kannte es. Alle hatten ihre Routinen, die römischen Soldaten, die Priester im Tempel, die Kaufleute, Handwerker und Fischer. Dann tritt Jesus auf, der Rabbi aus Nazareth. Zu ihm drängen die Menschen, lassen Alltag Alltag sein und wollen ihn hören. Was dann passiert, erzählt Lukas (5,1-11) in dieser Geschichte.

Am Ufer des Sees strömen immer mehr Menschen zusammen, um Jesus von Nazareth zu hören und es wird eng. Die Fischer bereiten derweil den nächsten Fischzug vor. In der Nacht werden sie hinausrudern und ihre Netze auswerfen –am Tag bekommt man keine Fische ins Netz. Deshalb steigt Jesus in ein Boot und lässt sich etwas hinausrudern. Von dort gleicht die Bucht einem Amphitheater: Wer vom Boot aus normal redet, wird am Strand sehr gut verstanden. 

Auf die Bitte Jesu rudert der Fischer Simon hinaus, kann er da seine Netze richten? Wo ist er mit seinen Gedanken? Hört er Jesus zu? Und als Jesus ihn nach seiner Predigt dafür belohnen will, dass er das Boot als Kanzel benutzt hat, folgt er der Aufforderung. Eigentlich ist es tagsüber sinnlos. Aber irgendetwas ist beim Zuhören passiert, weil Jesus es sagt, tut er es. Und er macht den Fang seines Lebens, sein Boot kann die Fische nicht fassen, die Kollegen am Ufer müssen helfen.

Der Fischer sinkt vor Jesus auf die Knie. Er hat ein Wunder Gottes erlebt. Er hat nicht nur einer Predigt gelauscht, er hat eine unbekannte Vollmacht entdeckt. Simon sieht sich nicht als frommen Menschen an. Dieser Gottesmann vor ihm zeigt ihm seine Gottesferne. Alle Fehltritte werden offenbar, seine Gottesferne kommt auf den Tisch. Deshalb bittet er Jesus: Herr, geh fort von mir. Ich bin ein Mensch, der voller Schuld ist. Ich kann mich dir nicht zumuten. Ich habe Angst, dass du mich vernichtest.

Alle Fischer sind erschrocken und haben Angst. Und Jesus beruft Petrus zum Menschenfischer. Da verlassen sie alles und folgen Jesus nach. Sie verlassen ihren Alltag und brechen auf ins Ungewisse.

Perspektiven

Aus welcher Perspektive nehmen wir diese Geschichte wahr? Versetzen wir uns in Simon Petrus? Eines Tages kommt Jesus und bittet Dich, dass er von deinem Boot aus predigen darfst. Anschließend trägt er dir etwas völlig Sinnloses und Unpassendes auf: Am Tage fischen gehen. Du bist müde von der nächtlichen Knochenarbeit. Murrst du leise? Was tust du? Folgst du seiner Aufforderung und merkst, dass nun alles wie am Schnürchen klappt? Du fängst eine riesige Menge an Fischen am hellen Tag. Du bist irritiert. Du fühlst Erstaunen, das in Schrecken umschlägt. Was ist hier los? Welche Vollmacht hat dieser Jesus? Folgst du ihm?

Oder stehst du in der Menge, bist mitgegangen an den Strand und hast Jesus zugehört. Bist du wegen Jesus gekommen? Bist du zufällig da? Du beobachtest, was nach der Predigt geschieht. Vielleicht kennst du die Fischer vom Sehen, weißt um ihre harte Arbeit. Du kennst ihre Gesichter und Körperhaltung. Du siehst sie oft hinausrudern und Netze auswerfen. Und dann hörst du ihre Rufe und siehst ihre hektischen Aktivitäten. Was geht dir durch den Kopf? Fühlst du den Schrecken? Erkennst du die Kraft Jesu? Siehst du ihn vor Dir, wie er auch Dich ruft? Oder bleibst du in der Menge?

Folgerungen

Mit Jesus bricht Gottes Reich an, ein neues Zeitalter der Fülle. Darauf deuten die vielen Fische hin, die Petrus und seine Kollegen fangen. Plötzlich und unerwartet ändert sich das Leben der Fischer am See, als sie Jesus begegnen.

Wir stellen uns gerade auf Mangel ein, Mangel an Ressourcen wie Gas und Öl, aber auch an Geld, weil die Inflation unser Leben ärmer macht. Machen wir uns Sorgen?

Deshalb lenkt diese Geschichte unseren Blick neu auf das anbrechende Gottesreich. Deshalb lenkt diese Geschichte den Blick auf Jesus, der plötzlich in das Leben der Menschen am See trat. Sie brechen auf, denn seine Nähe verändert ihre Perspektiven. Sie geben ihre Sicherheiten auf und ziehen mit Jesus durch das Land, schauen ihm zu, hören ihm zu und ahmen ihn nach. Später lassen sie sich senden.