Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.

Joh 15, 1-8

Jesus beschreibt sich in diesem Gleichnis als wahren Weinstock, sein Vater ist der Weingärtner und die Jünger sind die Reben. Nur am Weinstock können die Reben Frucht bringen.

Wahrnehmen

Der Mai gehört zu den schönsten Jahreszeiten, weil der Frühling und das neue Leben sich nun endgültig Bahn bricht: Überall blüht es.

Manche schneiden einen Zweig vorher ab und stellen ihn in eine Vase. Einige Tage blüht der Zweig wunderbar, aber dann verblühen die Zweige und alle Lebenszeichen sind vorbei.

Das Bild nimmt Jesus vom Weinstock auf! Nur am Weinstock bringen die Blüten Frucht! Sie brauchen die Verbindung mit dem Energiefluss des Weinstocks.

Dieses Bild gebraucht Jesus dann für seine Jünger: Wie die Reben am Weinstock können auch die Jünger nur in Verbindung mit Christus Frucht bringen. 

Was bei einer Weinrebe die wunderbare süße Frucht ist, die man gerne kostet und die neue Lebenskraft gibt, so sollen wir anderen Ermutigung und neue Hoffnung vermitteln. Das können wir nur, wenn die Liebe Gottes zu uns strömen kann. 

Wenn die Liebe nicht zu uns strömt, werden wir selbst vertrocknen und verkümmern.

Verstehen

Um mit Christus in Verbindung zu bleiben, gehört sicher die Nähe zur Gemeinde hinzu: Der wöchentliche Besuch des Gottesdienstes stellt einen wichtigen Aspekt dar. Aber auch eine Rebe des Weinstocks reicht nicht eine Stunde Verbundenheit mit dem Weinstock. Wie sieht denn eine dauerhafte Verbindung mit Christus aus?

Jesus sprach von seinen Worten, die in den Jüngern bleiben sollen. Das Wort Gottes soll sie prägen und bestimmen. Das beginnt mit dem Lesen und Hören auf die Worte der Bibel. Vor allem geht es aber um das Tun!

Wie eine Rebe ihre Zeit am Weinstock braucht, um Frucht zu bringen, so brauchen auch die Nachfolgenden Zeit, bis sie heranreifen. Reben brauchen Sonnenschein und Regen, Wind und fruchtbaren Boden. Das alles brauchen wir auch.

Am wichtigsten mag daher die Geduld sein, die Geduld mit uns selber, die Geduld mit den anderen und auch mit Gott! Gott hat vielleicht ganz andere Vorstellungen davon, wie unser Leben verläuft und was es ausmacht. Wie die Reben müssen wir manche kalten oder trockenden Zeiten, wie auch manche sehr feuchte Tage und Stürme aushalten.

Gott hat uns alle geschaffen mit allen Begabungen und allen Grenzen! Er bleibt bei uns in Höhen und Tiefen, unter Lasten und in Leiden. Wie die Reben müssen wir die Süße und Fruchtigkeit nicht selber hervorbringen. Auch wir müssen nur den Lebensstrom der Liebe Gottes durch uns hindurch strömen lassen und dranbleiben! 

Bei uns haben alle Haushalte einen Stromanschluss. Davon haben wir zunächst einmal wenig. Aber wenn wir das Licht einschalten, dann wird es hell. Und wenn wir die Küchenmaschine einschalten, beginnt sie ihre Kraft zu entfalten. 

So dürfen auch wir den Lebens- und Liebesstrom Gottes anzapfen!

Handeln

Wie geht das? Alles beginnt damit, an Jesu Wort dranzubleiben. Es kommt nicht auf die Menge der Bibelworte an, die wir kennen oder die wir täglich lesen. Es kommt aber sehr wohl darauf an, dass wir uns von Gottes Wort leiten lassen. Auch wenn wir uns täglich nur ein Wort vornehmen oder auch nur ein Wort für eine Woche, dann sind wir dran und können den Lebensstrom erkennen.

Wir können uns die Wochensprüche täglich neu vorlesen oder die Herrnhuter Losungen studieren. Wir können der täglichen Bibellese folgen, wie sie in den Losungen für jeden Tag angegeben werden. Wir können uns an den Neukirchener Kalender halten oder der Gnadauer Bibellese folgen. Wir können die Kernaussage einer Predigt bedenken. Wir leben aus diesem Wort Gottes.

In dieser Woche geht es um das Wort, das in uns bleibt. Letzte Woche ging es um den guten Hirten, dessen Stimmen wir hören können.

Ich wünsche Euch allen ganz besonders, dass ihr heute seine -Stimmen hören könnt und euch auf seine Liebeskraft einlasst.