Viele fordern heute Charakterbildung – manche sind ganz begeistert, manche sehen das eher kritisch. Der Begriff entstammt dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Prägung“. Was prägte Menschen? Wie lässt sich das beschreiben.

Hier gab es viele Ansätze, etwa Galens Temperamente (aktive Sanguiniker, passive Phlegmatiker, aufbrausende Choleriker, nachdenkliche Melancholiker). Diese Temperamente beschreiben Menschen, aber sie sind kein Schicksal.

Aristoteles hat dann die Tugenden als wesentlich für den Charakter und die Haltung bestimmt. Die Kardinaltugenden sind Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. In der näheren Untersuchung sucht er immer ein Mittel, bei der Tapferkeit etwa zwischen Tollkühnheit und Feigheit. Menschen erwerben diese Tugenden durch Gewohnheit und Übung, dabei sollen sie sich an Vorbildern orientieren.

Im Mittelalter stellt man dann Tugenden und Laster gegenüber, etwa Demut und Hochmut, Mildtätigkeit und Habgier, Keuschheit und Wollust, Geduld und Zorn, Mäßigung und Völlerei, Wohlwollen und Neid, Fleiß und Faulheit. Die Tugenden werden durch Übung und Gewohnheit herausgebildet. In der Erfahrung zeigen sich Menschen für bestimmte Laster empfänglicher als für andere. Die Orientierung an Gottes Geboten und an den Heiligen als Vorbildern soll Menschen helfen, tugendhaft zu leben.

Heute beschreiben etwa die Big Five wesentliche Merkmale der Persönlichkeit: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Verträglichkeit und Verletzlichkeit. Viele dieser Merkmale scheinen vererbt. Diese Beschreibungen sind zunächst einmal aufschlussreich, auch sie sollte man nicht als Schicksal betrachten.

Am Leben von Dietrich Bonhoeffer lässt sich Charakter studieren. Dazu lade ich hier ein!